RUND UM ROSEN - Die kleine Rosenfibel

  Aus dem Pollen geschöpft:
Züchtung bei W. Kordes' Söhne
 
 



  Neben der Anzucht von Rosenpflanzen ist die Züchtung neuer Sorten das zweite wichtige Aufgabengebiet im Unternehmen. Aus bescheidenen Anfängen in den zwanziger Jahren ist dieser Bereich heute ebenso bedeutend wie das Pflanzengeschäft.

Ablauf der Züchtung:

In unseren Breitengraden beginnt die Arbeit des Rosenzüchters im Gewächshaus. Am frühen Morgen, wenn die Blüten der Mutterpflanzen sich halb geöffnet haben, werden die Blütenblätter und Staubbeutel entfernt. Danach werden auf 2.000 ausgesuchten Kreuzungspflanzen in der Zeit von Anfang Mai bis Ende Juni jährlich 100.000 Rosenblüten mit größter Sorgfalt von Hand bestäubt.

Nach der Bestäubung wird jede einzelne Blüte mit einem Etikett versehen, auf dem die Vatersorte vermerkt ist – zur späteren Identifikation des Kreuzungspartners.

Kreuzungsplan:
Ein vorher genau festgelegter Kreuzungsplan bestimmt detailliert, welche Sorten miteinander gekreuzt werden sollen. Dem Kreuzungsplan liegen langjährige Erfahrungen und genaueste Kenntnisse der Vererbungsmöglichkeiten
der Elternsorten zugrunde, um so möglichst sicher die gewünschten Eigenschaften auf andere Rosensorten zu übertragen.
 
    Hagebutten-Ernte:
Das erste sichtbare Ergebnis sind 60.000 Hagebutten, die Ende Oktober geerntet werden. Die Hagebutten werden sorgfältig mit dem Messer geöffnet. Die daraus gewonnenen Samenkerne werden per Hand einzeln auf Saatbeeten im Gewächshaus auf einer Fläche von 1.300 m2 ausgesät. Ab Februar des darauffolgenden Jahres beginnt die Keimung und im April blühen die kleinen Rosenpflänzchen das erste Mal.
 
  Selektionsbeginn:
Mit Beginn der ersten Blüte beginnt der langwierige und sorgfältige Ausleseprozeß. Viel Erfahrung und auch ein bißchen Mut gehören dazu, um in diesem frühen Stadium über jede Pflanze – denn jede Pflanze ist eine neue Sorte – zu entscheiden. Immer wieder muß sich der Züchter die folgende Frage stellen und beantworten: Ist die neue Sorte wertlos, brauchbar oder wertvoll?
Nach diesem Ausleseverfahren werden die verbleibenden Sorten wiederum in Handarbeit Ende Juli im Freiland auf Sämlinge von Rosa canina, der heimischen Hundsrose, veredelt. Ihre ursprüngliche Zahl hat sich von 200.000 auf 5.000 reduziert.


Mehrjährige Beobachtung:
Für die Gartenrosen beginnt jetzt ein mehrjähriger Test auf Herz und Nieren im Freien, während weitere 3.000 Sorten auf ihre Eignung als Schnittrose im Gewächshaus geprüft werden. Das Versuchsfeld bietet zur Hauptblütezeit ein buntes Farbenspiel einer Vielzahl von Sorten, aus denen wiederum die „Besten“ ausgewählt werden.

Selektionskriterien:
Die wichtigsten Selektionskriterien für die Gartenrosen sind Robustheit, Duft, Farben, Reichblütigkeit, aber auch Frosthärte und Regenfestigkeit. Höchste Priorität wird einer möglichst großen Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten eingeräumt, deshalb wird die bis zu acht Jahre dauernde Prüfung, in der die neuen Sorten während der Blütezeit fast täglich bonitiert werden, auch ohne den Einsatz von pilzabtötenden Pflanzenschutz-Mitteln durchgeführt.

Faktor Glück:
Jährlich verringert sich die Zahl der „Handelskandidaten“. Aus der ursprünglich großen Anzahl von Sämlingen gelangen schließlich nur sechs bis sieben als Neuheiten in den Verkauf und werden erstmalig im Katalog angeboten. Nun entscheidet der Kunde, ob einer Neueinführung der Durchbruch gelingt und sie zu einem Renner im Verkauf wird. So gehört zur Züchtung auch immer eine Portion Glück, denn man findet nicht jedes Jahr eine ’Schneewittchen’® oder ’Sommerwind’®.
 
 

 

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© 2007 W. Kordes' Söhne
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Stand: August 2007
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